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HOWTO: Wie man Frauen ermutigt, sich mit Computern auseinanderzusetzen

Inhalt

Der vorliegende Text ist eine Übersetzung des ausgezeichneten "HOWTO Encourage Women into Linux" welches illustriert aus welchen Gründen viele Frauen Computer im Allgemeinen und Linux im Speziellen meiden. Das englische Original befindet sich hier.

Aber ich mach das doch gar nicht!
A. LinuxChix
B. Legal Notice

Zusammenfassung


Dieser Artikel erklärt ein paar Schwierigkeiten und Vorurteile, mit denen sich Frauen in der Computerszene auseinandersetzen müssen und untersucht problemlösende Strategien, mit dem Ziel, dass sich mehr Frauen in die Computerszene einbringen.

1. Einleitung


Auf dem Linux Symposium in Ottawa (Kanada) in 2002 moderierte ich eine 'Linux Chix: Birds Of a Feather Session' (BOF). Während dieser Veranstaltung und der gesamten Konferenz hörte ich immer wieder dieselben Fragen:

  • "Meine Freundin hasst Windows. Wie kann ich sie dazu kriegen, Linux zu benutzen?"
  • "In meiner lokalen Computergruppe sind fast keine Frauen. Wie kann ich das ändern?"
  • "Warum gibt es nicht mehr Frauen in der Open Source Entwicklung?"

Ganz offensichtlich würden die Leute in der Computerszene es begrüssen, wenn sich mehr Frauen aktiv mit Computern auseinandersetzten - allerdings wissen sie nicht, wie sie das beeinflussen können und was überhaupt die Gründe für so wenig Engagement auf Frauenseite sind. Dieses HOWTO nimmt die Empfehlungen, Erklärungen und Vorschläge der Frauen auf, die sich bereits in der Computerszene engagieren. Dieses Dokument nahm seinen Anfang in den mündlichen Äusserungen der LinuxChix auf der BOF, und wurde in den darauf folgenden Monaten immer wieder erweitert und ergänzt. Mit anderen Worten drückt dieses HOWTO die Gefühle und Meinungen von echten Frauen aus, die sich mit Computern beschäftigen. Obwohl wir diejenigen Frauen repräsentieren, die es 'geschafft haben', wissen wir trotzdem relativ genau, warum andere Frauen das Computerumfeld verlassen oder sich dort niemals eingebracht haben. Wir sind uns ausserdem des Druckes bewusst, der uns momentan aus der Gemeinschaft aussondert.

Wir möchten hier besprechen, warum Frauen sich generell von Computern fernhalten, warum sie sich speziell von Linux fernhalten und was man tun kann, um Frauen zu ermutigen, sich doch damit auseinanderzusetzen. Wir hoffen, dass dieses HOWTO hilft, dass sich mehr Frauen in der Computerszene wohlfühlen und sich dort aktiv einbringen.

Publikum
Unser Hauptpublikum sind männliche Computer Enthusiasten, die gerne mehr Frauen in der Computerszene involviert sehen würden. Wir möchten aber auch Menschen ansprechen, die bisher zu beschäftigt mit ihrem Lieblingshobby waren, um darüber nachzudenken, warum die meisten Frauen ihre Interessen nicht teilen. Wir hoffen, dass nach dem Lesen dieses HOWTOs ein Eindruck entsteht, warum Frauen sich von Computern fernhalten und ein wir ein paar Ideen rübergebracht haben, was man tun kann, um diese Tendenz umzukehren.

Wir sprechen nicht die Leute an, denen die Nichtanwesenheit von Frauen egal ist, oder die denken, dass Frauen nicht an den Computer gehören. Wenn du nicht der Meinung bist, dass Frauen aufgrund von externen Einflüssen von Computern verdrängt werden, dann wird dich dieses HOWTO nicht vom Gegenteil überzeugen. Es wird allerdings ein paar Anhaltspunkte geben, bei denen man weiter recherchieren kann.

Wir wollen definitiv keinem Geek dabei helfen, weibliche Geeks zu finden, mit denen er sich dann verabreden kann. Es ist ein zentraler Widerspruch beim Thema Frauen und Computern, dass die Männer, die am lautesten nach mehr Frauen im Computerbereich schreien, auch die sind, die sie am ehesten (unbeabsichtigterweise) vergraulen. Geeks, die in allen computerinteressierten Frauen nur potentielle Freundinnen sehen, verhalten sich oftmals in einer Weise, die Frauen abschreckt. Wir möchten erklären, welche Verhaltensweisen Frauen abschrecken und welche sie ermutigen.

Wo ist das Problem? Sexismus gibt es nicht mehr!
Ein Argument, das ich ständig höre, ist folgendes: 'Wo ist das Problem? Es gibt doch gar kein Problem. Sexismus ist ausgestorben! Frauen halten sich von Computern fern, weil sie das so möchten!' Ich dachte früher auch immer, Sexismus wäre ausgestorben. Dann entdeckte ich, wie falsch ich lag, als ich mich in mehrere 'Frauen und Computer' Mailinglisten eintrug. Woche für Woche posteten die Frauen neue Geschichten darüber, wie sie diskriminiert und beleidigt wurden, weil sie Frauen waren. Diese Geschichten waren keine Jahrzehnte alt oder handelten von Leuten, die mit Sexismus grossgeworden sind. Es waren ganz alltägliche Geschichten von modernen Frauen, in modernen Situationen. Sie wurden einfach aus ihrem gewählten Arbeitsfeld rausgeekelt. Das ist keine theoretische Annahme - viele Frauen verlassen das Computerumfeld tatsächlich nur aufgrund von unangenehmen Erfahrungen in der Schule oder auf Arbeit, die Vorgesetzte und sexistische Kommentare involvieren.

Die untenstehenden Links stellen mein Lieblingsbeispiel des modernen Sexismus dar:

Ursprüngliches Posting einer Frau auf einer Linux User Group Mailingliste (in Sydney)

Reply posting, das das Problem als 'zu gestresstes Weib' diagnostizieren

Zweites Reply posting, das dem ersten zustimmt

Die zwei Replies waren dann genug, um sie zu frustrieren

Satirische und heldenhafte Antwort einer anderen Frau

Ein Mann, der's immer noch nicht begriffen hat

Die perfekte Antwort eines Mannes, der es begriffen hat

Sexismus ist überall vorhanden und er veranlasst Frauen, sich ihm zu entziehen. Man könnte jetzt argumentieren, dass die Leute, die sich über das 'gestresste Weib' lustig machen, unwissend, blöd oder gutmeinend waren und dass die Postings nicht als 'Sexismus' gesehen werden sollten, aber das Ergebnis ist das Gleiche: Aktionen dieser Art veranlassen Frauen, das Computerumfeld zu verlassen - etwas, das wir gerne verhindern möchten.

Über die Autorin
Val Henson ist eine Linux Kernel Entwicklerin, ein aktives Mitglied der LinuxChix und weiblich. Sie interessiert sich für die theoretische und praktische Entwicklung von Betriebssystemen, für das Thema Frauen & Computer und für gutes Bier. Viele andere Frauen halfen ihr, das vorliegende HOWTO zu produzieren, unter anderem:

  • Raven Alder
  • Suzi Anvin
  • Poppy Casper
  • Claudia 'Texchanchan' Crowley
  • Steph Donovan
  • Joy Goodreau
  • Telsa Gwynne
  • Amy Hieter
  • Hanna Linder
  • Anna McDonald
  • Marcia Barret Nice
  • Miriam Rainsford
  • Carla Schroder
  • Jenn Vesperman
  • Jenny Wu
  • Megan 'Piglet' Zurawicz
  • Safari
  • Tina Lorenz (Übersetzung ins Deutsche)
  • Nika Bertram (Übersetzung ins Deutsche)
  • Daniela Garling (Übersetzung ins Deutsche)
  • Corinna "Pallas" Habets (Fertigstellung der deutschen Übersetzung [2007])
  • Und viele andere, die gerne anonym bleiben möchten

 

2. Warum gibt es so wenig Frauen in der Linuxszene?

Es gibt viele ausgezeichnete Bücher und Studien, die sich mit diesem Thema tiefgehend befasst haben - wir können nur zusammenfassen, warum Frauen sich von Computern fernhalten. Wir möchten ausserdem ein paar der gängigsten Theorien über dieses Thema auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüfen.

Drei gute Quellen für das Thema 'Frauen und Computer sind folgende:

  1. 'Unlocking the Clubhouse: Women in Computing' von Jane Margolis und Allan Fisher (englisch) (bei Amazon.de)
  2. 'Women in Computing Keyword List' http://women.acm.org/search/key_list.php (Nur manche der dort referenzierten Dokumente sind online verfuegbar)
  3. 'Why Are There So Few Female Computer Scientists' von Dr. Ellen Spertus http://www.ai.mit.edu/people/ellens/Gender/pap/pap.html

Fangen wir an mit den zwei häufigsten Theorien, warum es so wenig Frauen in der Computerbranche gibt:

'Frauen interessieren sich einfach nicht für Computer' und 'Frauen sind nicht so schlau wie Männer'. Das Problem mit dem Satz 'Frauen interessieren sich einfach nicht für Computer' ist, dass er eigentlich gar nichts aussagt. Es ist das Gleiche wie die Frage 'Warum ist der Himmel blau?' mit 'Weil der Himmel halt blau ist' zu beantworten. Das Argument dahinter ist, dass Frauen von Geburt an genetisch dazu vorbestimmt sind, sich nicht für Computer zu interessieren. Sehr wenig Leute sind bereit, das wirklich in sovielen Worten zu sagen, aber das ist die eigentliche Nachricht hinter dem 'weil es halt so ist'-Argument. Wenn man jetzt das genetisch bedingte Desinteresse ausschliesst (was niemandem so wirklich schwer fallen sollte), muss eruiert werden, welche umgebungsbedingten Einflüsse involviert sind.

Eine mehr ins Detail gehende Version dieser Theorie ist 'Frauen sind nicht so schlau wie Männer' oder etwas in der Art - Frauen können bestimmte Aufgaben nicht so gut wie Männer, üblicherweise Mathematik, räumliches oder logisches Denken. 'Newsweek' trumpft regelmässig mit Studien auf, die geschlechtsspezifische Unterschiede gefunden haben wollen, wobei sie ignorieren, dass es viel mehr Studien gibt, die diese Unterschiede genau nicht finden. Häufig können andere Forscher die Ergebnisse beim zweiten Test nicht wiederherstellen, oder finden Fehler in den Methoden des Originalprojektes. Aber diese Geschichten tendieren dazu, bei der Presse auf taube Ohren zu stoßen. Die medienwirksameren Studien ignorieren Unterschiede bei der Erziehung von Männern und Frauen. Zum Beispiel zeigen diese Studien oft, dass Frauen besser entwickelte linguistische Fähigkeiten haben. Das wird dann, zumindest von der Presse, als Beweis dafür angesehen, dass Frauen genetisch dazu veranlagt sind mehr zu kommunizieren. Dabei gibt es in gleichem Maße Studien, die zeigen, dass junge Frauen für mündliche Äußerungen mehr belohnt werden als junge Männer. Physikalische Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Gehirnen (über deren Existenz noch gestritten wird) ist an und für sich noch kein Beweis dafür, dass Männer und Frauen mit unterschiedlichen mentalen Fähigkeiten geboren werden. Wir müssen immer noch herausfinden welche Unterschiede genetisch und welche durch Erziehung bedingt sind. Dies führt dazu, dass sich die Experten bei geschlechtsspezifischen Unterschieden nur darauf einigen können, dass sie sich nicht einig sind. Auf dem Gebiet wird noch viel geforscht und die Ergebnisse werden noch ein paar Jahrzehnte lang heiss diskutiert werden. (Meine persönliche Meinung ist, dass Männer und Frauen tatsächlich ein paar immanente, genetisch bedingte Unterschiede haben, die zu Tendenzen zu bestimmten unterschiedlichen Verhaltensweisen führen. Welche Unterschiede das genau sind oder wie stark sie uns beeinflussen mag ich nicht raten. Menschen sind extrem anpassungsfähige Wesen darum vermute ich, dass die genetischen Unterschiede gegenüber Unterschieden in der Erziehung, kaum ins Gewicht fallen.)

Auch darf man nicht vergessen, dass ganz ähnliche Argumente ins Feld geführt wurden, als Frauen erstmal in andere Disziplinen vordrangen, sei es nun Medizin oder Lehre. Zum Beispiel seien Frauen als Ärzte ungeeignet, weil sie zu schwach seien gebrochene Knochen zu richten, beim Anblick von Blut ohnmächtig würden oder sich Kranken gegenüber einfach nicht richtig verhalten könnten. Diese Argumente verblassten, als sich herausstellte, dass Frauen genauso gute Ärzte und Lehrer sind wie Männer. Vielleicht wird sich herausstellen, dass Männer Frauen bei Computern überlegen sind, aber nach einem Blick in die Vergangenheit erscheint es nicht so furchtbar wahrscheinlich. ;)

Eine gute Adresse für Messungen zwischen verschiedenen Gruppen von Menschen und die jeweilige Motivation dahinter ist "The Mismeasure of Man" (Die Mis-Vermessung des Menschen) von Steven Jay Gould. Jahrhundertelang haben Wissenschaftler Unterschiede in den Gehirnen und Körpern von Menschen "bewiesen", die sich im Rückblick sowohl in ihren Methoden als auch Ergebnissen als falsch herausstellten. Stephen Jay Gould, zum Beispiel führt aus, wie Wissenschaftler die Schädelkapazität (und impliziert Gehirngröße und Intelligenz) von Männern und Frauen verschiedener Ethnizität maßen. Sie maßen das Volumen der Schädel indem sie sie mit Leinsamen füllten und bestätigten ihre Hypothese, dass weisse Männer normalerweise größere Schädel haben. Nun sind Leinsamen ein bisschen komprimierbar. Als man das Schädelvolumen mit (nicht komprimierbarem) Bleischrot ausmaß, stellte man fest, dass viel der Differenz im Volumen verschwand. Bei der Messung mit Leinsamen hatte man unbewusst in die Schädel der weissen Männer mehr hineingestopft als in die der Frauen und der nicht-weissen Männer. Ruf Dir das in Erinnerung, wenn Du Studien liest, die behaupten Größenunterschiede in der Gehirnstruktur von Männern und Frauen gefunden zu haben.

Nachdem wir nun eine Reihe gängiger Vorurteile und Frauen und Computer angesprochen haben, wollen wir uns die wahren Gründe ansehen, warum Frauen bei Linux und Computern außen vor bleiben. Ich persönlich glaube, dass die Tendenzen und Verhaltensweisen die ich im folgenden beschreiben werde, das Ergebnis der Erziehung der meisten Frauen ist; in anderen Worten, der geschlechtsspezifischen Sozialisation. Ich behaupte nicht, dass Frauen weniger selbstbewusst geboren werden, sondern beobachte nur, allgemeine Tendenzen bei Frauen und wie die Linux-Kultur Leute mit solchen Tendenzen entmutigt. Viele der Gründe in der Liste gelten sicher auch für andere Gruppen, die in Technik und Wissenschaft unterrepräsentiert sind.

2.1 Frauen sind weniger selbstbewusst

Frauen unterschätzen ihre Fähigkeiten in vielen Bereichen gewaltig, aber ganz besonders, wenn es um Computer geht. Eine Studie darüber ist "Frauen im Informatik-Studium: Erfahrung, Motivation und Kultur" / "Undergraduate Women in Computer Science: Experience, Motivation, and Culture": http://www-2.cs.cmu.edu/~gendergap/papers/sigcse97/sigcse97.html

Zum Beispiel schätzten sich 53% der männlichen Studienanfänger als bestens vorbereitet für das Informatik-Studium ein, während dies 0% der Anfängerinnen taten. Am Ende des Jahres jedoch hatten sechs von sieben Studentinnen einen Einser- oder Zweier-Durchschnitt. Objektive Kriterien (wie Notendurchschnitt oder Qualität und Geschwindigkeit des Programmierens) stimmen nicht überein mit der Selbsteinschätzung der meisten Frauen. Ich habe dieses Phänomen selbst erlebt: Trotz vieler objektiver Anzeichen für das Gegenteil, wie Noten, auf Übungen verwendete Zeit und einer hohen Platzierung in einem Programmierwettbewerb, hätte ich mich nicht zu den besten meines College-Jahrgangs gezählt. Wenn ich objektiv zurückblicke, erscheint es mir klar, dass meine Leistungen genau so gut oder besser waren als die vieler Männer mit deutlich mehr Selbstvertrauen.

2.2 Frauen haben weniger Möglichkeiten, Freunde oder Mentoren im gleichen Umfeld zu gewinnen

Genau wie jeder andere Bereich, ist auch alles um Computer einfacher zu lernen, wenn man Freunde und Mentoren hat, denen man Fragen stellen und mit denen man eine Gemeinschaft bilden kann. Allerdings tendieren Männer aus verschiedenen Gründen dazu sich mit anderen Männern anzufreunden und deren Mentoren zu werden. Wenn das Gleichgewicht der Geschlechter dermaßen aus der Balance geraten ist wie im IT-Bereich, finden Frauen kaum oder gar keine anderen Frauen die ihre Interessen teilen. Obwohl Frauen durchaus männliche Freunde und Mentoren haben, ist es für sie schwerer eine Gemeinschaft zu finden und dort hineinzupassen. Viele Frauen die den Bereich verlassen, wären dabei geblieben, wenn sie Männer gewesen wären.

Es ist tatsächlich ein Teufelskreis: Weniger Frauen im Computerumfeld führen zu weniger Frauen im Computerumfeld. Es ist wichtig zu verstehen, dass dieser Teufelkreis Frauen dazu bringt den Bereich zu verlassen, die dieses nicht getan hätten (bei sonst gleichen Bedingungen), wären sie Männer gewesen. Das ist deshalb wichtig, weil männliche Klassenkameraden und Kommilitonen oft annehmen ihre weiblichen Pendants sich abwenden weil sie "einfach nicht gut genug" waren. Das geringe Selbstvertrauen von Frauen trägt zu diesem falschen Eindruck bei.

2.3 Frauen werden schon jung entmutigt

Der gesellschaftliche Druck auf Frauen, der sie Computer meiden lässt, wird schon ausgesprochen früh ausgeübt. Schon Kindergarten-Kinder haben Vorstellungen davon, welche Berufe Männer-Berufe und welche Frauen-Berufe sind. Eine exzellente Übersicht über Studien, die die Ausbildung von Geschlechterrollen in jungen Jahren untersuchen, findet sich in Dr. Ellen Spertus' Paper: "Why are There so Few Female Computer Scientists?"

Sobald man realisiert hat, das Frauen und Männer von Geburt an unterschiedlich behandelt werden, wird es schwierig zu behaupten, dass irgendeine Frau keine Diskriminierung erfahren hat. Na klar, wenn sie Glück hatte, hat ihr niemand ausdrücklich gesagt, dass sie nicht mit Computern umgehen kann, weil sie ein Mädchen ist, aber jedes Mal wenn sie ihre Stimme erhoben hat, hat sie ein Erwachsener zur Ruhe ermahnt, während der Junge neben ihr unbehelligt weiter gekreischt hat. Später im Leben erweist sich das als Handicap, wenn laut und beharrlich zu sein die einzige Möglichkeit ist, gehört zu werden -- zum Beispiel auf der linux-kernel Mailingliste.

Das eindringlichste Beispiel einer schwer wahrnehmbaren Verzerrung zuungunsten von Frauen ist, dass, zumindest in den USA, der Familiencomputer mit größerer Wahrscheinlichkeit in einem Jungen- als einem Mädchenzimmer steht. Margolis und Fisher nennen einige sehr anschauliche Beispiele für diesen Trend und seine Effekte in "Unlocking the Clubhouse".

2.4 Computer werden als unsozial wahrgenommen

Computerarbeit wird als einsame Beschäftigung wahrgenommen, die wenig oder keinen täglichen Kontakt mit Menschen umfasst. Da Frauen dazu erzogen werden freundlicher, hilfsbereiter und ganz allgemein interessierter an Kommunikation zu sein, als Männer, wirken Computer tendenziell weniger attraktiv auf Frauen als auf Männer. Ich betone ausdrücklich, dass Computerarbeit nur als unsozial wahrgenommen wird. Es ist zwar für einen Programmierer möglich soziale Kontakte zu meiden und trotzdem erfolgreich zu sein, und tatsächlich zieht Programmierung oft Leute an, die sich bei menschlicher Interaktion unwohl fühlen, aber im Grunde ist Computerarbeit so sozial wie man es selbst macht. Während meiner Collegezeit habe ich den Großteil meiner "Computer"zeit im Kreise einiger meiner besten Freunde in einem Computerraum an der Uni verbracht. Seit kurzem habe ich den extra meine Arbeitsstelle gewechselt, damit ich mehr täglichen Kontakt mit anderen Programmierern habe. Ich finde, allein programmieren weniger kreativ und spaßig, als wenn ich mit jemandem darüber reden kann.

Komischerweise gibt es eine Menge Beschäftigungen die unleugnbar weniger sozial sind als Computerjobs und die trotzdem viele Frauen anziehen. Schreiben, seien es nun Romane oder Sachbücher, sind ein gutes Beispiel einer Tätigkeit die viele Stunden einsamer Konzentration erfordert, um erfolgreich zu sein.

Vielleicht liegt die Lösung dieses Paradoxons darin, dass man bei Autoren denkt, sie seien durchaus an sozialen Kontakten interessiert und hätten lediglich wenig Gelegenheit dazu.

2.5 Es gibt zu wenig weibliche Vorbilder

Es gibt natürlich Frauen im IT-Bereich, aber die meisten Leute haben nicht das Glück auf eine Informatikerin zu treffen. Frauen werden dazu erzogen bescheiden zu sein und sich nicht in den Vordergrund zu drängen, was sie noch schwerer wahrnehmbar macht, als sie sowieso schon werden. Mütter und Lehrerinnen sagen oft vehement, dass sie nichts von Computern verstehen. Dadurch wachsen Mädchen ohne Vorbilder von Frauen auf, die kompetent mit Computern umgehen. Ich ermutige alle Frauen im Computerumfeld so sichtbar wie möglich zu agieren: Akzeptiere Interviewanfragen, nimm Dank öffentlich entgegen, auch wenn du nicht willst. Es ist dir vielleicht unangenehm, aber wenn du zulässt eine öffentlichere Figur zu sein, änderst du vielleicht das Leben eines jungen Mädchens.

2.6 Spiele und Unterricht sind auf Männer ausgelegt

Wir alle wissen, dass die meisten Computerspiele von und für Männer geschrieben sind. Darin kommen eine endlose Flut von Blut und Frauen mit unrealistisch großen Brüsten vor, aber hey, wo ist das Problem?

Am besten lässt sich das Problem durch folgende Geschichte umreissen. Sie stammt aus einem Salon.com-Beitrag (http://archive.salon.com/tech/feature/2001/05/22/e3_2001/) über die Gaming-Convention E3 im Jahre 2001:

"Ein Creative Director eines führenden Entwickler-Teams hat mir frohgemut erzählt, dass sein Qualitity-Assurance-Team eine Prostituierte dafür bezahlt hat, das Logo des Spiels auf ihrem Körper zu tragen, während einer kombinierten Gonzo-Video / GangBang Session."

Das ist nur eine von vielen ähnlichen Stories und Begebenheiten auf der Konferenz. Wie kann eine Industrie die firmenfinanzierte GangBangs als irgendwie angemessen empfindet, Frauen *nicht* in Scharen verschrecken.

2.7 Werbung und Medien stellen Computer als Männersache dar

Das nächste Mal wenn du eine Computer bezogene Werbung mit einer Person im Bild siehst, achte auf das Geschlecht der Person. Höchstwahrscheinlich ist es ein Mann. Häufig wenn es doch mal ein Frau ist, trägt sie seltsames MakeUp und farbenfrohes Latex. Das oder sie verhält dumm, hilflos und wartet auf einen Mann, der ihr zeigt wie's geht. Oft scheinen sie den Computer gar nicht wirklich zu benutzen, sondern sich nur zufälligerweise in dekorativer Nähe aufzuhalten. Filme und Serien sind nicht besser. Wenn eine Frau als Programmiererin gezeigt wird, wird meistens mehr Zeit darauf verwendet ihren wohlgeformten Körper und ihre vollen Lippen zu zeigen, als dass sie ihre Kompetenz am Computer demonstriert. Rühmliche Ausnahme: Angelina Jolie in "Hackers".

Männer und Frauen werden permanent mit Botschaften bombadiert die sagen: "Männer benutzen Computer, Frauen nicht." Es ist schwierig diese Art täglicher Indoktrination zu überwinden.

2.8 Balance zwischen Arbeit und Privatem ist Frauen wichtiger

In Sachen Computer richtig gut zu werden ist etwas von dem man annimmt, das man fast alle seine wachen Stunden damit verbringen muss, den Computer zu verwenden oder etwas von über ihn zu lernen. Auch wenn das wieder eine Fehleinschätzung ist, so sind doch Frauen im Allgemeinen weniger bereit sich auf ein einziges Thema einzuschiessen und bevorzugen ein ausbalancierteres Leben. Frauen glauben oft, dass sie diese Balance verlieren werden, falls sie sich auf Computer einlassen und vermeiden den Bereich gleich ganz. Während meiner Collegezeit war ich persönlich sehr stolz darauf meine Freizeit nicht mit Computerspielen zu verbringen, weil es dem Stereotyp wiedersprach, dass Programmierer stets und ständig nur vor der Kiste hängen.

2.9 Gründe, warum Frauen speziell Linux meiden

Die Entwicklung von Linux ist noch härter umkämpft als die meisten anderen Bereiche der Programmierung. Oft ist die einzige (oder zumindest die größte) Belohnung für geschriebenen Code, Status und die Anerkennung der anderen. Doch viel öfter ist die "Belohnung" ein vernichtender Flamewar oder noch schlimmer, gar keine Reaktion. Da Frauen dazu erzogen werden Konflikte zu vermeiden und nicht auf Wettbewerb aus zu sein. Und da Frauen von Anfang an ein geringeres Selbstbewusstsein haben sind Linux und der restliche Open-Source-Bereich noch schwieriger zugänglich, als die anderen Bereiche im IT-Sektor.

3. Wie man Frauen ermutigt und wie man es nicht tut


Um mehr Frauen für die Computerszene zu gewinnen, brauchen wir beides: sowohl Tipps dazu, was man tun, als auch dazu, was man unterlassen sollte. Wir haben diese Sachen hier in Richtig / Falsch-Paaren zusammengefasst, denn das ist hilfreicher als je eine reine Liste mit Do's oder Don't's. Einige dieser Ideen wirken vielleicht selbstverständlich, andere sind schwieriger nachzuvollziehen. Es wäre ein Fehler, diese Vorschläge nicht ernst zu nehmen - dies sind die Ratschläge der echten Frauen, die an die Terminals gelockt werden sollen. Viele dieser Vorschläge sind jedoch auch geschlechts-unspezifisch, lassen sich also auch dazu nutzen, die Computerszene für viele Leute attraktiver zu machen.

Falsch: Sexistische Witze erzählen
Dies ist ein viel größeres Problem, als den meisten bewußt ist. Ich habe mehr als einmal gehört, wie ein Mann erklärte, er würde diese Art von Witzen nicht machen, und dann, Stunden oder nur Minuten später, hörte ich denselben Mann einen Witz zum Besten geben über schwangere Frauen oder PMS. Vermutlich glauben sie, es sei in Ordnung, Witze zu machen über etwas, das "wahr" oder "witzig" ist. Dabei merken diese Menschen nicht, dass - trotz aller Rechtfertigungen, "Wahrheitsbekundungen" und Witzeleien - sexistische Witze gleich jeder Sorte fast immer abwertend und diskriminierend für Frauen sind, und sie extrem wütend machen, unabhängig vom jeweiligen Zusammenhang. Es ist egal, ob man seinem Frauen-sind-doof-Witz einen Männer-sind-doof-Witz voranstellt, es bleibt verletzend und abschreckend für die Frauen im Publikum. Blondinenwitze sind nicht witzig - sie machen sich nicht über dumme Blonde lustig, sondern über dumme Frauen.

Natürlich kann man dagegen halten, dass Frauen nicht so empfindlich sein sollen (ich würde allerdings nicht zustimmen), aber selbst dann, egal, ob zu sensibel oder nicht, vertreiben diese Kommentare und schlechten Witze Frauen. Falls du dir nicht sicher bist, ob dein Witz Frauen beleidigen könnte, nimm am besten an, dass er genau das tut, und denk dir was anderes aus. Man sollte daran denken, dass wir in der Realität leben - und dass "sollte" eine Sache, und "wird" eine andere ist. Es ist falsch, Dinge zu tun, die Frauen vertreiben, auch wenn es nicht so gemeint ist.

Richtig: Protestieren, wenn jemand sexistische Witze erzählt
Beim nächsten Mal, wenn du jemanden dabei erwischst, wie er sexistische Witze über Frauen auf deiner Mailingliste oder live reißt, sag ihm deine Meinung. Natürlich trägt man dabei das Risiko, sich selbst zum Zielobjekt zu machen, aber für Frauen ist es noch schwerer, hier einzugreifen. Frauen schweigen oft, wenn sie mit sexistischen Witzen konfrontiert werden, denn würden sie protestieren, würde man sie sofort angreifen und als "über-sensibel" bezeichnen, unentspannt oder gar "Kampfemanze" nennen. [Anm.d.Ü.: Im englischen Original stand hier das Wort 'Feminazi'. Unseres Erachtens nach wird das in Deutschland nicht benutzt. Obwohl 'Kampfemanze' eine deutlich andere Konnotation hat als 'Feminazi', deshalb für die eins zu eins Übersetzung nicht taugt, finden wir alle Begriffe dieser Art gleich reißerisch und diskreditierend.]

Am besten lassen sich sexistische Witze mit Humor bekämpfen. Wenn jemand zu einer Mail über die technischen Skills einer Frau schreibt "Ist sie noch Single?", sollte man mit, "Wow, Michael, kein Wunder, dass DU noch Single bist." antworten. Jedes Mal, wenn eine Frau eine sexistische Bemerkung oder Witzelei sieht, fühlt sie sich wütend, ausgeschlossen und klein gemacht. Jedes Mal, wenn eine Frau sieht, wie ein Mann sich gegen solch ein Verhalten stellt, fühlt sie sich angenommen - und es macht sie stolz.

Falsch: Frauen 'Groupies' oder 'Schlampen' nennen
Das Wort "Schlampe" zu benutzen wirkt diskriminierend für alle Frauen, egal, auf wen es sich bezieht. Ich dachte schon, es sei nicht nötig, dies extra zu erwähnen, aber offensichtlich ist diese Einsicht keine Selbstverständlichkeit. Erst neulich hörte ich, wie einige Linux-Entwickler den Begriff "Schlampe" in vollem Ernst und demonstrativer Coolness verwendet haben. Nein, jemanden eine "Schlampe" zu nennen, macht dich nicht cool. Hör nicht auf die Gerüchte. Das Gleiche gilt für das Wort 'Groupie'. Es spielt keine Rolle, ob das Wort deiner Meinung nach zutrifft oder nicht, keine Frau möchte so genannt werden. Jede Frau im Computerumfeld (und jede andere auch) ist mehr wert, als dass man sie auf eine Funktion oder ein Stück Fleisch reduzieren darf.

Richtig: Ein wenig Respekt zeigen
Nicht nur den Frauen gegenüber, die du attraktiv findest, sondern gegenüber allen Frauen, ebenso wie allen anderen Erscheinungsformen menschlichen Lebens. Damit zeigst du, dass du Frauen und andere als menschliche Wesen wahrnimmst, dass deine emotionale Reife den Entwicklungsgrad eines Dreizehnjährigen überschritten hat, und dass eine Frau mit dir keine Zeit verschwenden würde.

Falsch: Jemandem die Tastatur aus der Hand nehmen
Dies ist ein generelles Problem, wenn jemand etwas Neues lernen soll, aber Frauen passiert es häufiger. Jemand stellt eine Frage, und anstatt dass du dieser Person eine Antwort gibst, nimmst du ihr die Tastatur weg und gibst den Kommandobefehl selbst ein. Das ist falsch! Es macht das Lernen schwerer, und die betreffende Person fühlt sich dumm und hilflos.

Richtig: Klare Erklärungen und Richtungsweisungen geben
Obwohl es schwerer ist, sich die Zeit und Geduld zu nehmen, um zu erklären, was genau man tut und warum, um dann den Kommandobefehl zu buchstabieren, wird sich der Aufwand langfristig lohnen, denn hierbei lernt die andere Person und es ist sehr unwahrscheinlich, dass man die gleiche Frage noch einmal beantworten muss. Grade Frauen werden sich sehr viel sicherer in ihren Fähigkeiten fühlen, wenn man es ihnen ermöglicht, die Kommandos selbst einzugeben.

Falsch: Überstürzte Annäherungsversuche machen
Stell dir eine Kneipe oder einen Pub vor voller Sportfanatiker, Fans eines Spiels, das du nicht kennst oder kennen willst. Stell dir vor, sie wären alle größer und stärker als du, würden in einer Sprache sprechen, die du nur halb verstehst, und jeden belächeln, der sich nicht mit Leib und Seele ihrem Sport verschrieben hat. Nun stell dir vor, du würdest diese Bar betreten, mit einem T-Shirt mit dem Aufdruck, "Ich hasse Sport." Stell es dir einfach mal vor. Wie würdest du dich fühlen? Nervös? ängstlich? Fremd? Fehl am Platz?

Dann hast du schon eine klitzekleine Vorstellung davon, wie sich eine einzelne Frau inmitten einer riesigen Männergemeinschaft fühlt.

Denk dir dieses Gefühl von Nervosität mit, wenn du den Rest dieses Abschnitts liest. Wenn du eine Frau auf einem Linux User Group Treffen oder online anbaggerst, gibst du ihr das Gefühl, dass sie nicht dazu gehört, als wäre sie im Kreuzfeuer, und riskiere geächtet zu werden, wenn sie dir einen Korb gibt oder sich wehrt. Denk daran, dies ist keine nette Begegnung unter vier Augen, wo sie sich gut dabei fühlt, dir die Wahrheit zu sagen, sie ist umgeben von einer Meute, die mit den zuvor genannten Sportfans vergleichbar ist. Sie möchte dazu gehören, ein Teil der Gruppe werden, und indem du ihr diesen Schlag versetztst, nimmst du sie aus der Herde und isolierst sie von der Gruppe. Frauen wachsen auf in dem Bewusstsein konstanter Angst davor, von Männern angegriffen zu werden, und - so albern es auch klingen mag, davon sind all ihre Handlungen geprägt, egal, wie sicher oder weltoffen sie auf Männer wirken mag.

Wie jeder andere Mensch auch, wünscht sich eine Frau, Freunde zu haben und so geschätzt zu werden wie sie ist. Jedes Mal, wenn sie eine Email erhält mit einer Einladung zu einem Date, wird sie daran erinnert, dass sie nicht als Teil der Gruppe gesehen wird, sondern als etwas anderes, als Sexualobjekt, und dass sie mit Sicherheit nicht allein an ihren technischen Fähigkeiten gemessen wird.

Die Erkenntnis mag für dich schwer verdaulich sein, doch du solltest einsehen, dass es keinen Sinn macht, Frauen auf Treffen der Computerszene anzumachen. Mit großer Wahrscheinlichkeit wirst du damit NICHT deine einzige Chance auf die wahre Liebe verspielen, indem du sie nicht direkt überfällst, sondern stattdessen eher die Chance wegwerfen, ein neues, witziges Mitglied der Computerszene hinzuzugewinnen. Und selbst wenn du noch glauben solltest, die Chance zu deiner großen Liebe zu verpassen, denk daran, dass die meisten Frauen, die tapfer genug sind, auf einem Treffen der LUG oder deiner Mailingliste aufzutauchen, sowieso in der Regel die Frauen sind, die den ersten Schritt machen. Indem du bei ihr gleich mit der Tür ins Haus fällst, vertreibst du sie, und mit ihr ebenso all die anderen Frauen, die vielleicht auch interessiert gewesen wären, wenn die erste Frau geblieben wäre.

Dies gilt umso stärker für Frauen, die du per Email oder im IRC kennen lernst. Du denkst vielleicht, deine "Bist du noch Single?"-Frage sei wahnsinnig raffiniert, aber sie hat es schon tausendmal gehört. Auch wenn du es nur witzig meinst oder schon eine Freundin hast oder gar verheiratet bist - tu's einfach nicht.

Richtig: Freundlich sein
Wenn Frauen nicht angebaggert werden, werden sie anstelle dessen häufig komplett ignoriert. Das ist nicht wirklich besser. Frauen, die neu zu einer Gruppe dazukommen, wollen meistens dasselbe, was Männer wollen - sich willkommen fühlen, über gemeinsame Interessen sprechen und Freunde gewinnen. Wenn eine Frau etwas sagt, hör ihr zu und antworte auf eine freundliche Art. Fange an, dich mit ihr zu unterhalten und finde ein Thema, an dem ihr beide interessiert seid. Nimm nicht an, dass sie 'typisch weibliche' Interessen oder Meinungen hat, nur weil sie eine Frau ist. Versuch stattdessen, frei von Vorurteilen zu bleiben und herauszufinden, wofür sie sich interessiert. Höchstwahrscheinlich hat sie Interessen, die über Make-Up, Haare und Filmstars hinausgehen, da sie in die Computerszene involviert ist.

Einige Frauen haben sich beschwert, dass alle Männer scheinbar nur darüber mit ihnen reden, wie wenig Frauen es im Computerumfeld gibt. Obwohl das ein wichtiges Thema ist, würden es viele Frauen vorziehen, über etwas anderes zu sprechen. Ganz speziell möchten sie nicht daran erinnert werden, wie seltsam sie erscheinen, wenn sie das erste Mal bei einem Computer-Treffen auftauchen. Warte, bis sie sich in der Gruppe niedergelassen hat und sich wohlfühlt; dann kannst du sie zu dem Thema befragen, wenn es dich wirklich interessiert.

Falsch: Sich über zu wenig Frauen im Computerumfeld beschweren
Es ist nützlich und konstruktiv, über das Fehlen von Frauen in der Computerszene zu sprechen, wenn man sich vom Standpunkt der Frauen an das Thema annähert, die bei einem spannenden und lohnenden Feld aussen vor sind. Es ist traurig und armselig, über das Fehlen von Frauen im Computerumfeld zu sprechen, wenn man sich auf einen Standpunkt von Männern bezieht, die ihr nichtvorhandenes Liebesleben auf diesen Umstand zurückführen. Der beste Weg, Frauen zu nerven und sie zu vergraulen ist es, in dieser Art über die fehlenden Frauen zu sprechen. Untenstehend ein paar der üblichsten Reaktionen von Frauen, die Männern dabei zuhören, wie sie über den Mangel an Frauen jammern:

  • Was bin ich, unsichtbar? Weiss er überhaupt, dass ich hier bin?
  • Gut zu wissen, dass ich anscheinend nur existiere, um einsamen Männern zu dienen
  • Armselig. Ihr seid so armselig.
  • Warum tust du dann nichts dagegen, anstatt dich zu beschweren?
  • Und wieder einmal nehmen alle an, dass nur Männer zuhören
  • Vielleicht sollte ich gar nicht in diesem Umfeld sein
  • Was ist mit mir kaputt, dass ich hier bin, aber andere Frauen nicht?
  • Er bezieht alles auf sich selbst
  • Kein Wunder, dass der keine Freundin hat
  • Ich bin nicht nur in einer Fleischerei, nein, ich bin auch noch das Schnitzel!

Wie man sehen kann, führt das Geheule nur dazu, dass die Frauen genervt sind oder sogar gehen und nicht mehr wiederkommen. In keinem Fall führt es dazu, dass mehr Frauen gewillt sind, mit dir auszugehen.

Richtig: Frauen ermutigen, sich Computern zu nähern
Anstatt sich nur über zu wenig Frauen zu beschweren, tu was, um diesen Zustand zu ändern. Nimm die Beschwerden der Frauen ernst (fang mit diesem HOWTO an), lies die Studien darüber, warum Frauen sich von Computern, Mathe oder Wissenschaft im allgemeinen fernhalten und finde heraus, wie du Frauen am besten motivieren kannst. Sei ermutigend und unterstützend, wenn andere Leute darüber diskutieren, warum es so wenige Frauen in der Computerszene gibt. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, versuche eine Frau als Mentor zu betreuen. Mentoren sind Menschen, die jemanden in Bildung und Karriere anleiten, ermutigen und beraten. Nicht jeder ist dazu erschaffen, Menor zu sein, und es ist schwierig, passende Mentoren und Schüler zusammenzuführen, aber wenn es klappt, können die Resultate spektakulär sein. Mentor sein ist allerdings kein Weg, eine Freundin zu finden - alles, was ein Mentor aus der Beziehung bekommt, ist der reflektierte Ruhm seines Schülers und die Freude, eine andere Person wachsen zu sehen.

Falsch: Neue Frauen wie Aliens mit vier Köpfen anstarren
Niemand mag es, wenn er angestarrt wird. Warum sollten Frauen es also mögen? Viele Frauen beschweren sich darüber, dass wenn sie in einen Raum voller Geeks laufen, plötzlich jedwede Unterhaltung aufhört, alle sich umdrehen und glotzen, und ein paar sogar mit dem Finger auf sie zeigen. Das ist einschüchternd und unschön, und mehr als genug, um eine Frau schwören zu lassen, niemals wiederzukommen.

Ein gutes Zitat von Mia, einem LinuxChick: "Zu einem Linux-User-Treffen zu gehen, hat mich nie interessiert, aber ich war auf einer Reihe von anderen Geekveranstaltungen, wo sich jeder umdrehte und starrte, wenn ich den Raum betrat. Es fühlte sich mehr an wie die 'Fremder in der Bar'-Szene in einem Western, als alles andere."

Richtig: Neuankömmlinge höflich behandeln
Wenn Frauen auf einem Computertreffen auftauchen oder auf Mailinglisten posten, verhalte dich neutral. Versuche, sie wie jede andere Person zu behandeln, die du in deiner Gruppe gerne dabei haben würdest. Denk dran, es ist für sie kein Kompliment, wenn du sie fortlaufend daran erinnerst, dass sie einzigartig ist, selten oder einfach nur seltsam. Wenn du anfängst dir vorzustellen, dass Frauen ein normaler Teil der Computerszene sind, könnte das sehr schnell Wirklichkeit werden.

Falsch: Frauen ihrem Klischee entsprechend behandeln
Nimm nicht an, dass alle Frauen gerne kochen, nähen und Babies toll finden und dass sie nur aktiv in der Computerszene sind, weil sich ihr Freund/Mann/Sohn dafür interessiert. Eine Frau sagte, dass wann immer jemand auf Computer-Treffen ihr etwas erklären wollte, er Analogien zur Küche oder zu Babies herstellte, weil er annahm, dies seien die Themen, mit denen sie am vertrautesten sei. Denk nicht, dass sich Frauen nicht auch für Autos, Mathe, Kampfjets oder Roboter interessieren. Denk nicht, sie könnten nicht auch ihre Kernel selbst kompilieren - ich kenne 15 Frauen persönlich, die das können, und einige von ihnen schreiben selbst Kernelcode. Wenn du Glück hast, wird eine davon auf deinem nächsten Geektreff oder auf deiner Computermailingliste auftauchen, und du möchtest sie nicht beleidigen, indem du annimmst, sie könne noch nichtmal ihren eigenen Rechner installieren. Denk nicht, dass sie mit der Computerei angefangen hat, weil sie so gerne gechattet hat. Übrigens: Frauen schimpfen genauso häufig wie Männer. Nimm dich also nicht extra zurück, wenn du vor einer Frau fluchst. Wenn sie schon mal Linux Kernel Code gelesen hat (insbesondere arch/sparc/), dann hat sie das Wort 'fuck' zumindest schonmal gelesen.

Richtig: Frauen wie normale Menschen behandeln
Behandle die Frauen in deiner Gruppe wie normale Menschen, denn genau das sind sie. Einige Leute beschweren sich: 'Frauen wollen wie normale Leute behandelt werden, aber erzählen mir gleich danach, ich soll keine sexistischen Witze reissen! Das ist doch paradox!' Nun ja, wenn du 'normale Leute' als 'die Männer, mit denen ich normalerweise abhänge' definierst, dann ist das ein Paradoxon. Wenn du aber Frauen in die Definition von 'normale Leute' mit einschliesst, und dann normale Leute in einer fairen und respektvollen Art behandelst, dann brauchen Frauen auch keine Spezialbehandlung.

Wenn du dir immer noch nicht sicher bist, wie du Frauen behandeln sollst, versuch das Folgende: Sei freundlich, aber nicht überfordernd, sei leger, fange ein Gespräch an, wie du es normalerweise tust, bleib nicht an ihr kleben, wenn das Gespräch vorbei ist. Wenn du die meiste Zeit mit einer sehr spezifischen männlichen Untergruppe verbringst, wirst du dein Verhalten in mancherlei Hinsicht ändern müssen. Aber dies würde auch zutreffen, träfest du einen Mann mit einem völlig anderem Horizont. Wenn du feststellst, dass du dein Verhalten komplett umstellen musst, um Frauen nicht zu verärgern, solltest du dir überlegen, es sowieso und in allen Gelegenheiten umzustellen. Keiner wird dir glauben, wenn du einfach aufhörst, in der Gegenwart von Frauen sexistische Bemerkungen zu machen, sie aber weiter machst, wenn (scheinbar) keine Frauen in der Nähe sind.

Falsch: Zuviel Kritik
Frauen sind so sozialisiert, dass sie auf Kritik deutlich sensibler reagieren als Männer und sie sind auch deutlich selbstkritischer. Als Folge lassen sich Frauen viel eher von unfairer oder harter Kritik vergraulen als Männer. Wenn du versucht bist, zu kritisieren, denk an das Folgende: Genau gar keiner wurde mit der Fähigkeit zum programmieren oder Kernel kompilieren geboren, und irgendwann wusstest auch du noch nichts über Computer. Leute verlieren das Interesse an einer Sache, in der sie sich als schlecht empfinden. Wenn du also jemanden dazu bringen möchtest, sich weiterhin für Computer zu interessieren, versuch diese Person nicht soviel zu kritisieren, dass sie glaubt, sie wäre schlecht darin.

Lob an der richtigen Stelle
Frauen haben im Durchschnitt ein sehr viel niedrigeres Selbstvertrauen als Männer und betrachten sich generell selbst viel kritischer als jeder Aussenstehende. Lob an der richtigen Stelle hilft, ihr Selbstvertrauen aufzubauen, wodurch sie sich wiederum weiter für das Thema interessieren Wenn sie glauben, sie könnten mit Computern nicht gut umgehen, werden sie wahrscheinlich damit aufhören.

Hier sind einige Tips für Lob an der richtigen Stelle:

  • Sei aufrichtig und ehrlich. Wenn du in Wahrheit denkst, ihr Programm ist ein hässliches Stück Müll, dann sage ihr nicht, dass du dessen syntaktische Schönheit bewunderst. Finde etwas, dass du wirklich bewundern kannst und lobe sie dafür.

  • Sei spezifisch. "Du kannst gut mit Computern umgehen" bedeutet gar nichts, "Du weisst immer, welche Linux-Distribution zu empfehlen ist" ist spezifisch und deshalb bedeutsam.

  • Mache dein Lob passend. Lobe eine Linux Kernel-Entwicklerin nicht dafür, dass sie Linux installieren kann. Lobe eine GIMP Entwicklerin nicht für ihren Umgang mit Layern. Dein Lob sollte signifikante Fertigkeiten reflektieren anstatt deine Ignoranz ihrer Expertise.

  • Vergleiche mit dir selbst. Wenn sie bash-scripting schneller gelernt hat als du, sag ihr das. Sag "Wow, du hast bash-scripting in X Monaten gelernt. Ich hab 2*X Monate gebraucht, um das zu lernen." Oder wenn sie einen dummen Kompilierungsfehler gemacht hat, erzähl ihr von deinem schlimmsten Kompilierungsfehler. Wenn sie mitbekommt, dass ihre Fehler nicht ungewöhnlich sind, wird sie sich besser fühlen.

  • Lobe erst, bevor du kritisierst. Wenn du konstruktive Kritik anbringen willst, ist es eine gute Idee, ihr erst einmal zu sagen was sie richtig gemacht hat.

  • Lass nicht immer auf ein Lob eine Kritik folgen. Lobe sie stattdessen öfter und belasse es dann dabei.

  • Gib nicht an. Aus dem nichts heraus zu sagen "Sie kann ihren eigenen Kernel kompilieren!" ist nicht schmeichelhaft, es ist eher angeberisch, als hättest du etwas mit ihrem Erfolg zu tun oder wärst in irgendeiner Weise dafür verantwortlich. Eltern sind besonders anfällig für Angebereien. Unterschwellige, subtile Hinweise auf ihr Können sind viel besser - "Oh, naja, wenn du eine Frage über Kernel Kompilierung hast, wird sie dir wahrscheinlich eher weiterhelfen können als ich." Wenn jemand auf diese Art auf meine Fähigkeiten aufmerksam macht, ist das unbeschreiblich schön.

Du solltest ihr auf keinen Fall Komplimente über ihre Haare, ihr Gesicht, ihren Körper oder ihre nette Art machen. Wenn sie sich für Computer interessiert ist sie, per Definition, ein Geek und möchte vermutlich für ihre Intelligenz, ihre Fähigkeiten und ihre harte Arbeit gelobt werden. Lobe sie für ihre erste Linux-Installation oder für ihre intelligenten und interessanten Fragen beim letzten Treffen. Ein Kompliment für irgend etwas anderes ist unangebracht und wird als sexuelle Annäherung verstanden (weil es das meistens auch ist) und sie wird sich weniger wohl und weniger selbstsicher fühlen.

Falsch: Nur Männer als Referenten zu Computertreffen einladen
Wenn alle eure Redner Männer sind, werden Frauen das bemerken und sich nicht willkommen fühlen. Vorbilder, mit denen man sich identifizieren kann, sind wichtig um das Interesse für etwas aufrecht zu erhalten.

Richtig: Auch Frauen einladen
Es ist erstaunlich einfach, technisch kompetente Frauen zu finden, die bereit sind, zu eurer Gruppe zu kommen und einen Vortrag zu halten. Weibliche Redner sind wahrscheinlich der effizienteste Weg, Frauen für eure Veranstaltungen zu gewinnen. Sie werden Gelegenheit haben, ein Vorbild zu sehen, und sich wenigstens für ein paar Stunden nicht so fühlen, als wären sie die einzige Frau, die sich für Computer interessiert.

Falsch: Hyper-Spezialisierung
Vielleicht sind du und deine Freunde total glücklich und zufrieden damit bei eurer lokalen LUG aufzukreuzen und immer über die gleichen Themen (die neuesten Grafikkarten, Roboter, Ego-Shooter, ...) zu sprechen, aber warum auch immer, gibt es nur wenig Frauen die die gleiche Obsession für Details haben, wie man sie an Männer öfters beobachten kann. Versucht nicht nur Vorträge über hochspezialierte Dinge zu bekommen oder immer die gleichen Themenbereiche abzugrasen.

Richtig: Breiteres Themenspektrum abdecken

Organisiert Referenten zu einem breiteren Themenspektrum als nur zu technischen Spitzfindigkeiten. Frauen tendieren dazu sich auch für die politischen und sozialen Aspekte rund um Computer zu interessieren. Auch innerhalb der Informatik interessieren sich Frauen meist für mehrere Themengebiete. Versucht einen Sprecher zu Kompilern zu bekommen, wenn ihr sonst immer bei USB landet. Oder verschafft euch einen Überblick über OpenSource-Lizenzen statt endlos über die binary-only Nvidia-Module zu diskutieren.

Falsch: Treffen ungünstig legen

Das schlimmste anzunehmende LUG-Treffen: montags, 22 Uhr, in einem Lager in der Innenstand, der nicht gekennzeichnete Eingang ist in einer dunklen, einsamen Gasse und die nächste Bushaltestelle ist ein gutes Stück entfernt. Ah, auf der Karte stehen Pizza (Varianten: Fleisch, doppelt Fleisch, extra scharfes Fleisch) und billiges Bier. Habe ich erwähnt, dass es im Anschluss in eine Sport-Bar geht?

Richtig: Günstige Umgebung für Treffen

Die folgenden Anregungen werden eure Treffen für jeden möglichen Teilnehmer attraktiver machen. Versucht den Zeitpunkt Familien- und Schulzeiten freundlich zu legen -> nicht zu spät abends. Stellt sicher, dass die Treffen an einem sicheren, gut beleuchteten Ort stattfinden, der per öffentlichem Nahverkehr bequem erreichbar ist. Wenn ihr möchtet, dass neue Leute kommen, macht den Treffpunkt kenntlich und leicht zu finden. Wenn es was zu essen oder zu trinken gibt, versucht das Angebot ein bisschen zu variieren. Eine kurze, informelle Umfrage unter uns ergab, dass Frauen oft Sandwiches, Obst und Gemüse einer Pizza vorziehen. Auch durch einen chinesischen Liefer-Service kann man leicht Abwechslung in den Speiseplan bringen. Vielleicht zieht ihr eine vegetarische Option in Erwägung. Falls die LUG-Mitglieder auch ausserhalb der Treffen socializen, versucht Aktivitäten auszuwählen, die Leute mit verschiedenen Hintergründen ansprechen.

Falsch: Neuankömmlinge niedermachen

Wenn jemand Neues auftaucht und alle etablierten Leute nicht mit demjenigen sprechen, wird der Neuankömmling kaum wieder kommen. Vermutlich sind alle nur zu schüchtern um Hallo zu sagen, aber das hilft leider nicht. Falls ausserdem die Alteingesessenen die Neue angreifen oder herausfordern oder einfach ignorieren was sie zu sagen hat, wird sie kein Interesse daran haben noch einmal zu kommen.

Richtig: Neuankömmlinge integrieren

Bitte neue Leute sich vorzustellen und ein bisschen über ihre Projekte und Interessen zu erzählen. Probiert zwanglose Treffen aus - statt eines Referenten und eines stillen Publikums z.B. ein Panel mit Fragen und Antworten, oder eine Gruppendiskussion. Gebt Mitgliedern Gelegenheit ihre Projekte kurz vorzustellen, damit Neue, die ihre Interessen teilen, wissen an wen sie sich wenden können. Wenn es bei euch jemanden gibt, dem es nichts ausmacht mit seltsamen Leuten zu sprechen, bittet ihn/sie als Gastgeber zu fungieren und neue Leute in der Gruppe oder Mailingliste zu begrüßen.

Falsch: Freundinnen und Ehefrauen unterschätzen

Viele Frauen im Linux- oder IT-Bereich sind zusammen oder verheiratet mit Männern die ähnliche Interessen haben. Viele Leute nehmen an, dass die Frau nur wegen ihres Freundes / Mannes an Linux interessiert sei. Frauen kommen manchmal durch einen Partner zu Linux (was ihr Interesse aber nicht weniger wert macht). Öfter jedoch fangen Frauen an sich für Linux zu interessieren, gewinnen dann Freunde in dem Bereich, treffen Leute und weil es so wenig Frauen in unserem Bereich gibt, haben sie (Überraschung!) seltenst Probleme einen Partner zu finden. Nur weil die meisten Linux interessierten Frauen mit jemanden aus dem gleichen Umfeld zusammen sind, solltest du nicht folgern, dass sie sich nur wegen ihrer Beziehung für Linux interessieren. Bei vielen Frauen ist das Linux-Interesse älter als ihre momentane Partnerschaft. Ich persönlich begann mich für Linux zu interessieren während ich mit einem Anglistik-Studenten zusammen war, der ein Betriebssystem nicht mal erkannt hätte, wenn es ihm ins Gesicht gesprungen wäre. Eine der LinuxChix berichtete, dass ihre erste Einladung bei einer Konferenz zu sprechen, war, an dem Panel "Ehefrauen von Hackern" teilzunehmen. Die OpenSource-Berühmtheit, die das Panel vorgeschlagen hatte, konnte ihre Kränkung nicht verstehen. Dabei war doch scheinbar ihre eigene OpenSource-Arbeit unwichtig gegenüber der Tatsache, dass sie die Frau eines bekannten Kernel-Hackers war...

Richtig: Freundinnen und Ehefrauen als unabhängige Menschen sehen

Freundinnen und Frauen von Linux-Interessierten haben ihr eigenes Leben und ihre eigenen Erfolge, welche oft ebenfalls mit Linux und OpenSource zu tun haben. Erkenne an, dass sie eigene Interessen und Kompetenzen hat, statt sie wie ein Anhängsel ihres Freundes oder Mannes zu behandeln.

Aber das mach ich doch gar nicht!


Jetzt ist wahrscheinlich ein guter Zeitpunkt, sich mal selbst zu beobachten. Bei der LinuxChix BOF auf dem Ottawa Linux Symposium hatten wir die Liste mit Gründen fertig, aus denen Frauen sich von Computern fernhalten. Ein Mann aus der örtlichen Linux-User-Group meldete sich und sagte, dass niemand in seiner Gruppe irgendwelche der Dinge täte, über die wir uns beschwert hatten. Dennoch hätten sie Probleme, Frauen anzuziehen. Eine Frau aus der selben Gruppe meldete sich und sagte: "Sie tun es doch." Sie sagte weiterhin, dass nur einige "schwarze Schafe" sich so verhielten, aber diese wenigen seien Grund genug, die meisten Frauen abzuschrecken. Das ist ein wichtiger Punkt: Wenn deine Gruppe neun hilfsbereite und höfliche Mitglieder hat, und ein ungehobeltes, sexistisches, lautes Mitglied, werden die meisten Frauen wegen dieses einen Mitglieds weiter fernbleiben. Ich sehe ein, dass das den anderen Mitgliedern der Gruppe gegenüber unfair ist, aber so ist nun mal die Realität. Wenn es in deiner Gruppe ein solches schwarzes Schaf gibt, versucht es mit ein wenig Gruppenzwang, wenn er das nächste Mal etwas tut, das Frauen abschreckt. Antwortet auf seine e-Mail, widersprecht dem, was er sagt -- stellt klar, dass ihr seine Ansichten nicht teilt. Zu wissen, dass wenigstens eine andere Person willens ist, dem schwarzen Schaf öffentlich zu widersprechen wird immens helfen und wird dafür sorgen, dass Frauen gewillter sind zu bleiben.

Ich selbst habe immer und immer wieder Männer sagen hören, dass sie diese Dinge nicht tun würden und sah sie dann Stunden oder Minuten später das tun, von dem sie zuvor behauptet hatten, es nie zu tun. Ich denke nicht, dass irgendeiner dieser Männer gelogen hat, es war ihnen einfach nur nicht bewusst. Sexistische Witze oder Kommentare zu machen, scheint das am weitesten verbreitete unbewusste Verhalten zu sein -- viele Männer erkennen einfach nicht, dass das, was sie sagen, beleidigend auf Frauen wirkt.

Ausserdem ist es auf jeden Fall möglich, gute Absichten zu haben und dennoch Frauen abzuschrecken. Vielleicht denkst du eine Frau zu ermutigen, indem du ihr zu ihrem Mut gratulierst, bei einem bestimmten Event aufzutauchen. In Wirklichkeit verdeutlichst du ihr aber, dass sie eigenartig und anders ist, anstatt ihr das Gefuehl zu geben, sie wäre ein Teil der Gemeinschaft. Eine Frau formulierte es so: "Ich weiss, ich bin eine Ausserirdische. Du brauchst es nicht extra zu betonen." Wir hoffen, dass dieses HOWTO dir helfen wird, zu erkennen, wenn du unbewusst Frauen abschreckst.

Wenn du neugierig bist, wie dein Verhalten auf Frauen wirkt, kann ich nur empfehlen, dass du zu einer Bekannten gehst, die zu direkter Offenheit neigt, und sie fragst, ob sie sich an etwaiges offensives Verhalten von dir gegenüber Frauen erinnert. Vergiss nicht, die meisten Frauen würden sich eher einen Arm ausreissen als einem Mann gegenüber unfreundlich zu sein, also kann es schwer sein, eine ehrliche Antwort zu bekommen.

A. LinuxChix


LinuxChix ist eine aktive und wachsende Organisation, von und für Frauen, die sich für Linux interessieren, geführt wird. Gegründet von Deb Richardson und derzeit geleitet von Jenn Vesperman, spezialisiert sich LinuxChix darauf, eine unterstützende und freundliche Umgebung für alle Linux Nutzer und Entwickler zu bieten, aber insbesondere für Frauen. LinuxChix wird von einer internationalen Gruppe von Freiwilligen geführt, die glauben, dass es wichtig ist, Frauen in die Linux Community zu integrieren. Männer dürfen LinuxChix beitreten, aber Frauen stehen im Mittelpunkt und wir versuchen, eine Umgebung beizubehalten, in der Frauen dominieren. Zu den Frauen, die derzeit bei LinuxChix involviert sind, gehören verschiedene Linux Kernel Entwicklerinnen, eine Mozilla Entwicklerin, ein Mitglied der GNOME Foundation, eine O'Reilly Autorin, System Administratorinnen, Computer Consultants, Sicherheitsexpertinnen, Schülerinnen und Studentinnen vom High School Level bis hin zu Doktoren in vielen Bereichen, buchstäblich hunderte Programmiererinnen verschiedenster Art und viele Computerhobbyistinnen. Wenn du eine Frau bist, die sich für Linux interessiert oder du eine solche kennst, ist LinuxChix ein ausgezeichneter Ort, Gleichgesinnte zu finden.

Kürzlich hat LinuxChix ihrer Website eine Reihe von Features, Web-Ressourcen und Mailinglisten hinzugefügt. Wenn du sie vor mehr als einigen Monaten mal besucht hast, solltest du einen zweiten Blick darauf werfen. Die neuen Features beinhalten Linux-Kernel-Hacking-Kurse, verschiedene neue Mailinglisten, Online- Programmierkurse, Buch- und Softwarerezensionen und vieles, vieles mehr. Eine Menge LinuxChix Regionalkreise wurden vor kurzem angefangen oder wiederbegonnen (Regionalkreise gibt es, um face-to-face-Treffen zwischen LinuxChixs zu ermöglichen). Der LinuxChix-Entwicklungsprozess ist offen und freundlich. Wir begrüssen neue Freiwillige und Ideen, subscribe einfach die Mailinglisten und biete deine Hilfe an.

Auf unserer Website kannst du mehr über die LinuxChix erfahren:
http://www.linuxchix.org

B. Legal Notice
Copyright (c) 2002 Val Henson This document may be reproduced or distributed in any form, without prior permission, provided that all such copies or distributions include this copyright statement and the warranty disclaimer contained in this paragraph. This document is provided on an "AS IS" basis only, with no warranties, express or implied. All usage of the information in this document is at your own risk.



Letzte Aktualisierung: 22-Apr-2007 11:22






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